MS Flight Simulator 4 (1989) Categories: Flight Simulator, Simulation Timelines: 1984-1989 – Eighties, Nur mit unglaublichem Halbwissen

Flugsimulation – Die realistischste Simulation ziviler Luftfahrt zur damaligen Zeit

Titel: Microsoft Flight Simulator 4.0
Release: 1989
Plattform: DOS
Entwickler: Microsoft

Infos und Geschichte der Spielserie

Die Geschichte des Microsoft Flight Simulator begann als eine Reihe von Artikeln über Computergrafik und Flugsimulation mit 3D-Grafiken, geschrieben von Bruce Artwick im Jahr 1976. Als der Redakteur der Zeitschrift Artwick sagte, dass die Abonnenten an einem solchen Programm interessiert seien, gründete Artwick die subLOGIC Corporation, um seine Ideen zu kommerzialisieren.

Die erste Version des Flight Simulators, noch in Wireframe-Grafik, wurde 1979 für den Apple II veröffentlicht. Bald folgten Versionen für andere Systeme und der Simulator verkaufte sich 30.000 mal bis Juni 1982.

1981 wurde Artwick von Microsofts Alan M. Boyd angesprochen, der daran interessiert war, das „definitive Spiel“ zu schaffen, das den grafischen Unterschied zwischen älteren 8-Bit-Computern (z.B. Apple II) und den neuen 16-Bit-Computern (IBM-PC) demonstrieren würde. 1982 lizenzierte die Firma von Artwick den Flight Simulator für den IBM PC an Microsoft, die es als Microsoft Flight Simulator 1.00 vermarkteten. Von dort aus entwickelte sich das Spiel zu einer langjährigen Reihe von Computerflugsimulatoren und für Microsoft zu einem am längsten laufenden bussiness-orientierten Softwareprodukt.

Der MSFS 1.0 enthielt keine Wireframe-Grafik mehr sondern bereits Grafik mit „solid colors“, auch wenn diese zunächst monochrom waren. Version 2 bot 1984 dann schließlich „color support“ für IBM PC. Die Simulation an sich wurde präziser und es stand nun ein Model der gesamten Vereinigten Staaten zur Verfügung. Der MSFS 3 verbesserte 1988 die Flugerfahrung, fügte zusätzliche Flugzeuge und Flughäfen hinzu, ließ die Darstellung verschiedener Fenster anpassen und bot verbesserte High-res (EGA) Grafik. Drei Flugzeuge wurden simuliert: Gates Learjet 25, Cessna Skylane und Sopwith Camel.

Bereits 15 Monate nach dem Vorgänger erschien Ende 1989 Version 4 des Flugsimulators. Dieser bot verbesserte Flugzeugmodelle, eine programmierbare dynamische Landschaft (nicht interaktive Luft- und Bodenverkehr auf und nahe Flughäfen, die sich auf statisch festgelegten Wegen bewegen).

Teil 4 wurde besonders beliebt, da viele Add-ons angeboten wurden. Ein besonderes war der Flugzeug- und Szenen-Designer (ASD). Dieser erlaubte es Spielern neue Szenen zu erstellen, Flugzeugmodelle anzupassen und alles mit anderen Spielern zu Teilen. Neue Flugzeuge wurden ebenfalls geliefert, einschließlich einer Boing 747 mit einem benutzerdefiniertem Cockpit.

Trivia

  • Frühe Versionen vom Microsoft Flight Simulator wurden als Test für PC-Kompatibilität verwendet. Wenn ein Computer MSFS 1.0 und Lotus 1-2-3 ausführen könnte, war er 100% IBM PC-kompatibel, wenn es nicht konnte, war er es nicht.
  • Teil 4 bot zum ersten Mal dynamische Szenerien mit Flugverkehr

Zeitliche Einordnung

Der Microsoft Flight Simulator 4 war seinerzeit die ernsthafteste Simulation ziviler Luftfahrt auf dem Markt. Technisch war kein großer Fortschritt zu Teil 3 zu sehen. Es wurde nun zwar VGA unterstützt, jedoch nur in 16 Farben in EGA-Auflösung. Der eigentliche Grund, bereits nach 15 Monaten eine neue Version auf den Markt zu bringen, waren die vielen Bugs und die eher mittelmäßige Flugcharakteristik im Vorgänger.

Der Markt und die Mitbewerber

Zivile Simulationen gab es kaum, wohl aber zahlreiche Combat Simulationen. Am vergleichbarsten ist die 1987 erschienene F16 Fighter Simulation „Falcon“ von Spectrum Holobyte, da das Fliegen und Kämpfen mit ebenso viel Realismus und unzähligen Optionen simuliert wurde und der Kampfjet nur mit Hilfe dicker Handbücher zu beherrschen war.

Auf mehr Action setzten Vertreter wie Battlehawks 1942 (Lucasfilm Games, 1988), F-16 Combat Pilot (Digital integration, 1989) und F-15 Strike Eagle II (MicroProse, 1989), wobei letzterer mit seiner schnellen, bunten VGA Grafik technisch die Nase vorn hatte, sich jedoch teilweise schon wie Arcade-Action spielte.

Weitere Vertreter:

  • Gunship (MicroProse, 1986) – Helicopter Kampfsimulation
  • Falcon A.T. (Spectrum Holobyte, 1988) – „Teil 2“ von Falcon, jedoch eher eine Hi-Res-EGA Erweiterung
  • A-10 Tank Killer (Dynamix, 1989) – Luft-Boden Kampfsimulation

Sonstiges auf dem Markt der Simulationen

Für die Straße gab es ähnlich zahlreiche Simulationen, meist im Rennsport angesiedelt wie Grand Prix Circuit (Accolade, 1988), Ferrarie Formula One (EA, 1989) und Indianapolis 500 (EA, 1989) oder Cannonball-Action wie  The Duel: Test Drive II (Accolade, 1989).

Des weiteren wurden 1989 mit SimCity (Maxis) das erste der „Sim“-Spiele veröffentlicht und mit Populus (Bullfrog) das erste Genre definierende God-Game.

Übersicht der wichtigen Veröffentlichungen 1989

  • B.A.T. 
  • Budokan: The Martial Spirit
  • Code-Name: Iceman
  • F-15 Strike Eagle II - Teil 2 der Kampfjet-Action-Simulation von MicroProse
  • Golden Axe - Erster Teil der Golden Axe Serie
  • Hero's Quest: So You Want To Be A Hero - Der erste Teil der Hero's Quest Serie
  • Herzog Zwei - Legte den Grundstein für das RTS-Genre. Noch vor Dune 2.
  • Indiana Jones and the last Crusade - Das Adventure zum Film
  • Leisure Suit Larry III - Larry Laffers drittes Abenteuer
  • Mean Streets - Das erste Tex Murphy Spiel.
  • MS Flight Simulator 4 - Teil 4 des Flugsimulators von Microsoft
  • North & South - Das humorvolle Action-Strategiespiel über den amerikanischen Bürgerkrieg im Comic-Stil
  • Out Run - Arcade Racer
  • Populus - Das erste "God-Game"
  • Prince of Persia - Plattform-Klassiker und Animationswunder
  • Hostage: Rescue Mission
  • Shadow of the Beast - Demonstration der Fähigkeiten des Amiga
  • Sim City - Das erste der "Sim"-Spiele von Maxis
  • Space Quest III - Roger Wilcos drittes Abenteuer
  • The Colonel's Bequest - Lebensgefährlicher Mystery-Thriller mit fortlaufender Zeit
  • The Duel: Test Drive II
  • The Manhole - Das erste Spiel auf CD

Die Stimmen der Kritiker

Von den deutschen Magazinen wurde das Spiel, falls getestet, durchweg positiv bewertet. Besonders Umfang, Qualität, Realismus und der zivile Charakter wurden hervorgehoben. Bemängelt wurde zum Teil die Technik (Grafik, Geschwindigkeit, Sound, etc.) und die fehlende Action.

9.8 / 10

ASM, Dezember 1989

„Alles in allem ist FLIGHTSIMULATOR 4 ein echtes Luxusprogramm, sozusagen der Rolls Royce unter den Flugsimulatoren. Wer gerne mal hoch hinaus geht, kommt an diesem Programm nicht vorbei! Wahrlich ein ASM-Hit!“

94%

Joker Verlag – Sonderheft 1990

„Falls es noch eines weiteren Beweises für die Realitätstreue des Programms bedarf, bitte sehr: In den Staaten ist der Flight IV als Ausbildungsprogramm für Piloten zugelassen! Zu bemängeln gibt es eigentlich nur, daß die Grafik zwar besser als bei den vorangegangenen Versionen ist, aber immer noch nicht ganz an die der besten Programme von MicroProse oder Spectrum HoloByte heranreicht. Der VGA-Modus wird mit 16 Farben nicht richtig ausgenutzt, und die Grafik ist auch etwas langsamer als bei vergleichbaren Spielen. Der Sound besteht gar nur aus grausigem PC-Gepiepse. Aber sonst ist alles perfekt! Zumindest, bis wir den Flight V gesehen haben — er wartet schon im Hangar…“

87%

PC Joker, März 1992

„Seit 1989 liegt der digitale Flugpionier in seiner vierten Version vor, von Alterserscheinungen keine Spur. Grund genug, diesen Klassiker einmal gebührend zu würdigen. Für friedliebende Flug-Realos bleibt der Flight Simulator IV ungeachtet seines Alters erste Wahl. Ändern wird sich das vermutlich erst, wenn Microsoft bzw. Sublogic endlich die lang erwartete Version V nachschiebt!“

80%

100 aktuelle PC-Spiele, 1990

„Ein »echtes« Cockpit, realistischer Verkehr in der Luft und am Boden, Radiokennung hier und Landesystem dort, oppulente Einstellungsoptionen und ein Flugfeld, das sich dank Zusatzdisketten fast über die ganze Welt erstreckt. Mit der Version 4.0 verläßt dieser Klassiker allerdings auch die XT-Gefilde. (…) Um alle Details, die in diesem Programm stecken, auszukosten, sollten Sie einen 386er mit lockeren 25 MHz und einer VGA-Karte besitzen. Selbst dann ist das Programm nicht unbedingt der Gipfel der Fluggefühle. Auf Dauer kann es etwas langweilig werden, ständig von A nach B zu fliegen, so realistisch das auch sein mag. Flug-Enthusiasten werden‘s mögen, doch bei einer actionhaltigen Jet-Simulation wie »F-16 Falcon« wird mehr Abwechslung geboten.“

 


Der MSFS4 bei Videospielhalbwissen

 


Quellen: