The Long Dark (Early Access)

Die lange Dunkelheit – Es klang einfach zu gut, um auf die fertige Version zu warten. Ob sich die Reise in die Wildnis gelohnt hat, beschreibt das Review.


Ich bin kein großer Fan von Early Access. Zu selten kehre ich zu einem Spiel zurück, das ich begonnen und irgendwann abgebrochen habe. Das Konzept Early Access würde sich für mich damit nicht lohnen.
Noch viel weniger Fan bin ich von Survival-Spielen. Hauptsächlich deswegen, weil mich gefühlt jedes zweite Spiel in einer Zombie-Apokalypse aussetzt oder ich vor Horden von Monster flüchten muss. Das letzte Survival-Spiel, an dem ich mich wirklich versucht habe, war Robinson’s Requiem. Das ist eine Weile her.
Und nach diesen Vorzeichen zu urteilen, hätte ich The Long Dark links liegen lassen müssen. Warum tat ich es nicht?

The Long Dark macht eine Sache anders, als die meisten anderen Survival-Titel: Keine Monster. Der Survival-Gedanke wird reduziert auf einen Punkt – Man ist auf sich allein gestellt in einer eisigen Winterlandschaft in Nordamerika. Der einzigen Gegner sind die Elemente der Natur und der eigene Körper. Mehr braucht es nicht.

Sandbox

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In der Early Access Version gibt es zunächst nur den Sandbox-Modus mit verschiedenen Survival-Szenarien bzw. Regionen. Die Regionen sind miteinander verbunden durch sogenannte Transition Zones. Der angekündigte Story-Modus ist noch nicht vorhanden. So wählt man sich eine Region und einen Schwierigkeitsgrad und steht allein in der Wildnis. Wenn ich überleben will, muss ich Vorräte und Utensilien finden, einen Unterschlupf zum Wärmen, Holz für ein Feuer. Draußen in der Kälte stehen, ist keine Option. Ich verbrauche Kalorien, Meine Kleidung und Werkzeuge nutzen sich ab, ich werde müde, ich kühle aus. Um da entgegen zu wirken gibt es viele verstreute Unterkünfte, z.B. Berghütten, Höhlen, alte Wagons, verlassene Camps und Industrieanlagen. Überall gibt es etwas zu finden. Ich kann Dinge auseinander bauen, um Materialien zu erhalten, um daraus wieder lebensnotwendige Utensilien zu bauen.
Wenn ich eine Jagdhütte an einem malerischen See entdecke, vergesse ich für einen Moment den ständigen Überlebenskampf, verweile einen Moment und genieße, wie die Sonne am Horizont über dem See untergeht und den Himmel rot einfärbt. Bricht die Nacht herein, wird es noch mal kälter. Ich sollte in meine Unterkunft gehen. Eine Nacht draußen in der eiskalten Dunkelheit würde ich nicht überleben.

Die Nacht

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Die Gebäude sind wichtige, als überlebensnotwendige Bereiche von der Außenwelt abgetrennte Spielelemente. In Höhlen und halb-offenen Bahnwagons ist der Schutz vor der Kälte nur begrenzt, in den verstreuten Hütten hingegen gibt es meist sogar einen Ofen, ein Bett und Proviant für den nächsten Tag. Im Ofen kann man das am Tag gesammelte Brennholz verbrauchen. Vereinzelt lassen sich auch Utensilien wie Schlafsäcke, Sachen, Lampenöl, Werkzeug und Waffen finden. Im Schlafmodus kann dann die Nacht überbrückt werden.

Der Tag

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Lange reicht der Proviant nicht, man muss sich stets wieder auf den Weg machen. So stapft man zunächst etwas ziel- und orientierungslos umher und muss sich für einen Weg entscheiden. Die Entscheidungen, die man trifft sind oft Entscheidungen über Leben und Tod. Will man den Berg besteigen, um sich einen Überblick zu verschaffen und das Risiko eingehen, dass man abrutscht? Verlässt man den Fluss um eine Abkürzung durch den Wald zu nehmen auf die Gefahr hin, auf Wölfe zu stoßen? Lässt man die am frühen Nachmittag gefundene Unterkunft liegen in der Hoffnung bis Sonnenuntergang eine bessere zu finden? Macht man noch einen Abstecher zu den Bahnwagons, die man in der Ferne gesehen hat mit dem Risiko, es nicht mehr im Hellen zurück zu schaffen? Nutzt man das letzte Licht des Tages um Feuerholz zu finden und nicht zu erfrieren oder um zu angeln und nicht zu verhungern? Die Möglichkeiten sind vielfältig und spannend.

Die Welt

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Es gibt viel zu entdecken in dieser einsamen, eisigen Welt, in der durch eine globale Katastrophe das Stromnetz und alle elektronischen Geräte zerstört wurden. An der windigen Küstenstraße findet man verlassene Angelcamps und auch mal eine Tankstelle, man entdeckt einen Leuchtturm, ein defektes Wasserkraftwerk, man findet aufgegebene Minen, Eisenbahngleise, verlassene Siedlungen und überall Flugzeugteile. Ob diese noch wichtig werden, ist unklar. Im Story-Modus spielt man einen Piloten, der mit seinem Flugzeug wegen dem Aussetzen der Elektronik in den Bergen abgestürzt ist und sich durch die Wildnis schlagen muss. Ursprünglich für 2014 geplant, soll der Story-Modus nun Ende 2016 zur Verfügung stehen.

Die Schönheit und der Tod

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In reduzierter Low-Poly-Optik wird uns eine malerische Winterlandschaft präsentiert, mit aquarell-ähnlichen Texturen. Die Entwickler schaffen es mit ihrem Stil, der manchmal postkartenartig, ja fast kitschig erscheint, die Stimmung der Umgebung und der Tageszeit perfekt zu transportieren. Man spürt die Kälte, wenn man am Tag bei kristallklarem Licht und satten Farben durch den Schnee stapft und der Atem bei jedem Schritt eine Wasserdampfwolke hinterlässt. Wenn die Sonne tief steht, brennt der Himmel in schrillen Gelbtönen, rot und violett, wenn sie untergeht. In einer klaren Nacht leuchten die Sterne und das Restlicht reflektiert im Schnee. Im Schneesturm hingegen sieht man die Hand vor Augen nicht und verliert bei Tag und bei Nacht schnell die Orientierung.

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So schön die Landschaft ist, sie ist unser ständiger Feind. In Form von Unterkühlung, Verletzungen, Infektionen, Vergiftungen und Angriffen von Wölfen und Bären trachtet uns die Natur nach dem Leben. Und die eigenen menschlichen Schwächen kommen noch hinzu, z.B. wenn man sich den Rucksack wieder zu voll gepackt hat und damit zu schnell erschöpft. Die Partien können je nach Schwierigkeitsgrad recht schnell vorbei sein. Doch mit jedem Tod wird einem die Wildnis etwas vertrauter. Bis man alles gesehen hat, verbringt man viel Zeit in der Einsamkeit.

Pro
Die verschiedenen Areale mit wunderschöner, weitläufiger Landschaft
Je nach Schwierigkeitsgrad kurze, packende Partien möglich
Die spürbare Kälte, die Einsamkeit, die Stille
Viele Ressourcen zu finden, die weiterverarbeitet werden können
Der packende Überlebenskampf
Die vielen Verbesserungen, die mit jedem Update kommen

Contra
 Ressourcenhungrig, die Grafik benötigt Power
Wölfe sind mir zu aggressiv, auch wenn das als Spielelement so erklärt ist
Noch kein Storymodus

 

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