J.U.L.I.A. – Among the Stars

Unregelmäßig nehme ich mir einen Titel vom Stapel meiner unberührten Spiele und finde die eine oder andere Perle. Heute habe ich mir J.U.L.I.A – Among the Stars herausgepickt, ein Sci-Fi Point & Click Adventure aus dem Jahr 2014.

Blaupause

Ich erwache aus dem Kälteschlaf in der Kältekammer eines Schiffs. / Ich wurde zu einem Schiff oder einer Station geschickt.

Ich stelle fest, niemand ist hier / alle sind tot. Ich bin allein.

Ich muss herausfinden, was hier geschehen ist.

Bin ich wirklich allein?
Die Stationen sind verlassen. Sind wir allein?

So oder so ähnlich muss eine der Blaupausen aussehen, nach welcher Autoren ihre Sci-Fi-Stories für Spiele und auch Filme beginnen lassen.

Und auch JULIA macht da keine Ausnahme. Doch diese Art der Geschichte wäre nicht so beliebt, wenn sie nicht funktionieren würde. Das Alleinsein, das Ungewisse, das Erkunden des Unbekannten, der leichte Horror, die unterschwellige Angst vor dem, was hier passiert ist. Und der Drang, der Sache trotzdem auf den Grund zu gehen. Aus diesen Zutaten lässt sich trotz „Blaupausenbeginn“ doch so einiges rausholen.

Hinzu kommt, dass sich darauf Mechaniken und Rätsel aufbauen lassen, die geradezu prädestiniert sind für ein Adventure, welcher Art auch immer. Und so schafft es auch J.U.L.I.A., den Spieler nach dem Einstieg bei der Stange zu halten.

Among the Stars

Wir durchsuchen das Sternensystem nach Überlebenden und Hinweisen.

Das Forschungs-Raumschiff Mizuka befindet sich im Jahr 2430 im Sonnensystems Salia, als es in einen Meteoritenhagel gerät und schwer getroffen wird. J.U.L.I.A., die KI des Schiffs startet ihr Notfallprogramm und weckt Astrobiologin Rachel Manners aus ihrem Kälteschlaf, die das Schlimmste verhindern kann. Rachel stellt mit Erschrecken fest, dass außer ihr niemand mehr an Board ist. Ihre Kollegen scheinen das Schiff bereits vor vielen Jahren verlassen zu haben. Auch J.U.L.I.A. kann durch den Schaden keine Informationen zum Verbleib der Crew abrufen. Und so macht sich Rachel auf den Weg, das Sonnensystem zu erforschen, auf der Suche nach Überlebenden.

Originalversion von 2012 und Neuauflage von 2014

Bereits zwei Jahre vor dem Erscheinen von J.U.L.I.A. – Among the Stars veröffentlichte das Entwicklerteam um Jan Kavan und Lukas Medek (CBE Software) die Originalversion ihres SciFi-Adventure unter dem Namen ‚J.U.L.I.A.‘. Nach einem Streit mit dem damaligen Publisher (Lace Mamba) um ausgebliebene Zahlungen drohte dem Studio das finanzielle Aus. Daher beschlossen sie, eine Enhanced Edition zu veröffentlichen, um den Verlust abzufedern. Nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne bei Indiegogo entschied man sich aber für ein komplettes Remake, in der viele Kritikpunkte der ursprünglichen Version beseitigt wurden. Zum Beispiel entfernten sie das mühsame Absuchen der Planeten nach Rohstoffen komplett. 2014 erschien dann schließlich die Neuauflage J.U.L.I.A. – Among the Stars. 

 

Erstkontakt

Die Screens sind recht statisch aber sehr stimmungsvoll.

Zur Verfügung stehen Rachel neben ihrem Schiff und der KI ein kleiner fliegender Roboter namens Mobot, welcher die Flüge zu den Planeten und deren Erforschung übernimmt. Ausgerüstet mit Kamera, Sensoren, Analysewerkzeugen und Stimme ist er Rachels Auge, Ohr und Hand auf den Planetenoberflächen und gibt ebenso wie J.U.L.I.A. Kommentare zu den Beobachtungen ab.

Schnell finden sie heraus, dass bei Ihrer Mission, der Suche nach Leben, etwas gewaltig schiefgelaufen ist. Der Erstkontakt scheint komplett aus dem Ruder gelaufen zu sein. Teils durch falsche Entscheidungen, Teils durch Versagen der Offiziere, Teils durch Sabotage. Die Aufgabe des Spielers ist es nun, die Vorgänge so genau wie möglich zu rekonstruieren.

Interfaces

Über Interfaces steuern wir die gesamte Mission.

Der Spieler steuert das Schiff und den Roboter Mobot weitestgehend über Interfaces. Im Schiff kann man sich Informationen über das Sonnensystem anzeigen lassen und die einzelnen Planeten ansteuern. Es gibt eine Analysestation für gefundene Objekte und man darf Erweiterungen für Mobot bauen, wenn man entsprechende Schaltpläne gefunden hat. Aus dem Orbit eines Planeten kann man Mobot auf die Oberfläche schicken. Nun erforscht man in First-Person-Perspektive Bildschirm für Bildschirm die Umgebung und die von der Crew errichteten Stationen. Dort lässt man Mobot per Click alles untersuchen und löst abwechslungsreiche aber recht einfache und typische Rätsel: Finden von Codes, Reparieren von Modulen, Konfigurieren von Computersystemen, Analysieren von unbekannten Stoffen, Zusammensetzen von Bildern, Entschlüsseln von Texten, um ein paar zu nennen. Belohnung ist immer das Finden von Daten-Pads der Crew-Mitglieder und deren Messenger-Nachrichten und Tagebücher, die jeweils etwas mehr Licht ins Dunkele lassen.

Und wie so oft in Exploration-Spielen sind diese gefundenen, persönlichen Aufzeichnungen verstorbener oder vermisster Personen das Salz in der Suppe, denn erst durch sie entfaltet sich Schritt für Schritt die gesamte Geschichte und das ganze Drama vor dem Spieler und erzeugen die nötige Wucht, um den Spieler gebannt in die Spielwelt zu ziehen. Schritt für Schritt, Planet für Planet tastet man sich vorwärts. Nach und nach lassen sich die Puzzleteile zusammenfügen und ein Bild der Vorgänge wird klarer.

Einsamkeit als treuer Begleiter

 

Wir lesen die Messenger-Nachrichten und die Datenpads unserer verstorbenen Crew.

Bereits früh im Spiel erfährt Rachel, dass sie viele Jahre im Kälteschlaf verbracht hat und dass sie niemanden Ihrer Crew lebend finden wird. Die Gewissheit, allein zu sein, nagt an ihr. Zwar helfen die Gespräche mit ihren künstlichen Begleitern J.U.L.I.A. und Mobot davon abzulenken und die beiden entwickeln während ihrer Reise durchaus Charakter, doch immer wieder hört man den Schmerz und die Verzweiflung aus Rachels Stimme.

Warum wurde ich zurückgelassen? Warum hat man mich in die Kältekammer gesteckt? Warum bin ich allein? Bin ich allein?

Die Einsamkeit ist beim Spielen spürbar und viele Szenen und Dialoge verstärken sehr geschickt die entsprechenden Gefühle beim Spieler. Überhaupt schafft es das Spiel ohne viel optischen Schnickschnack eine richtig starke Atmosphäre und Spannung aufkommen zu lassen. Das liegt zum Teil an der gut aufgebauten Zwiebelschicht-Story und den vielen Hinweisen in der Spielwelt, zum Teil aber auch ganz einfach an dem klassischen Sci-Fi Thema und den damit verknüpften Erwartungen des Spielers. Und das Spiel erfüllt diese dankbar.

Das Positive überwiegt

Das Spiel ist schon ewig auf meiner Liste. Schon seit der Veröffentlichung der Originalversion. Ich habe den Ärger mit dem Publisher mitbekommen, die Crowdfunding-Kampagne, die Veröffentlichung der Enhanced Version. Nun habe ich J.U.L.I.A. – Among the Stars auch endlich gespielt. Ich war anfangs etwas skeptisch, eben weil es wie nach Blaupause aussah. Doch das Spiel ist so sympathisch, dass ich über die Schwächen hinwegsehen kann, die leichten Rätsel, das Abklappern von Hotspots, die wiederkehrenden Aufgaben, die schwache deutsche Vertonung. Dafür bleibt das Positive im Gedächtnis. Die spannende Geschichte, die stimmungsvolle Spielwelt, die Charaktere und deren Daten-Pads und das Gefühl der Einsamkeit.

 

 

Die Analysestation gibt wichtige Hinweise.

 

Erweiterungen für das Raumschiff und den Roboter müssen wir selbst konstruieren.
Eines der typischen Rätsel: ein Bilder-Verschiebe-Puzzle

Quellen:

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