Baphomets Fluch: Der Sündenfall

Erst jetzt habe ich mich abschließend durch den 5. Teil der bekannten Adventure-Serie gerätselt. Es ist nie zu spät für ein kleines Review.

Charles Cecil und sein Studio Revolution Software waren mir schon immer sehr sympathisch. Besonders der Grafik-Stil von Beneath a Steel Sky und Baphomets Fluch sprachen mich seinerzeit an. Die Charaktere waren liebenswürdig und blieben in Erinnerung. So wie der damals perfekte Mix aus Comic, Comedy und Ernsthaftigkeit. Auch mit Teil 2 hatte ich noch meinen Spaß, bot er doch mehr vom selben.


Die Teile 3 und 4 sind größtenteils an mir vorbeigegangen. Teil 3 habe ich noch angespielt, dabei blieb es aber. Der Stil der Serie wurde mir zu sehr gebrochen. Umso erfreuter war ich, als Charles Cecil 2012 eine Fortsetzung im Stil der ersten beiden Teile ankündigte. So erfreut, dass ich das Projekt auf Kickstarter unterstützte.

Paris im Herbst

Ein Wiedersehen mit alten Bekannten in Paris.

Das Spiel beginnt dann auch wieder stimmungsvoll in Paris. Das im Intro vorgestellte Gemälde, das Ende der 1930er in Spanien von Soldaten aus einem Anwesen geraubt wurde, wird in einer Kunstgalerie ausgestellt. Und gleich wieder geraubt. Ein Ereignis, das wie im ersten Spiel George Stobbart und Nicole Collard zusammentreffen lässt, um die Verschwörung hinter dem Kriminalfall aufzudecken.

Das Gemälde „La Maledicció“.

Dieses Mal geht es um die gnostischen Schriften und Bilder der Katharer, deren Orden durch den Albigenserkreuzzug ausgelöscht wurde, wie später der Orden der Tempelritter. Und um das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse. Nicht nur hier wird der Bogen zum ersten Teil der Reihe gespannt.

Erinnerungen an frühere Teile werden wach – hier in Nicos Wohnung.

Paris, Nico & George, ein Mord – das Spiel setzt voll auf die Stärken des Erstlings. Und das macht es gut. Es sieht so aus, wie ich es mir gewünscht habe. Die farbenfrohen Hintergründe versprühen den ursprünglichen Charme, die Charaktere sind toll gezeichnet und animiert, das Paris-Flair ist an jeder Ecke spürbar.

Das Flair von Paris ist an jeder Ecke spürbar.

Auch die späteren Locations sind schön und abwechslungsreich. Es macht Spaß, dem Fall näher auf den Grund zu gehen, Hinweise zu erhalten und langsam dem Geheimnis des gestohlenen Bildes auf den Grund zu kommen.

London – die 2D Hintergründe sind still aber stilvoll.

Und dann ist plötzlich Schluss. Auch Baphomets Fluch 5 wurde nicht an einem Stück veröffentlicht, sondern musste in zwei Teile aufgeteilt werden. Es sollten knapp 5 Monate vergehen, bis Episode 2 veröffentlicht wurde.

Episode 2

Episode 2 führt uns nach Spanien

Es sollte diese Aufteilung in zwei Episoden sein, die bei mir zum Bruch führte. Nicht nur, dass der Spielfluss unterbrochen wurde, der Titel verschwand komplett von meinem Schirm. Und so vergingen knapp 3 Jahre, bis ich das Spiel fortsetzte.

Das Spiel war immer noch gut. Die Jagd nach dem Gemälde führte nun nach Spanien und später in den Nahen Osten, der Wiege des christlichen Glaubens. Die Hintergründe waren immer noch toll. Die Geschichte wurde mystischer, die Rätsel eine Spur fordernder. Kirchen, Klöster, Geheimräume, Gruften – alles da für den Abenteurer.

Benediktinerabtei Santa Maria de Montserrat

Doch die lange Pause ging nicht spurlos vorüber. Die anfängliche Freude über ein neues, klassisches Baphomets Fluch war etwas verflogen. Das Nostalgie-Gefühl wurde weniger. Dadurch kamen nun die Schwächen zum Vorschein, bei denen ich zuvor ein Auge zugedrückt hatte. Was ich in Episode 1 noch als klassisch angesehen hatte, wirkte nun zum Teil angestaubt und überholt.

Die Sünden des Genres

Wie klassisch Der Sündenfall die Grenzen des Adventure-Genres interpretiert, zeigt sich an einem der größten Problem des Genres: Rätsel an vermeintlich zeitkritischen Stellen, an denen zuvor Pace und Spannung aufgebaut wurde. Und so klickt man sich plötzlich minutenlang durchs Inventar, während die Gefährten so lange von Gangstern mit Knarren bedroht werden, bis man die passende Objektkombination gefunden hat. Klar, man wünscht sich nicht die alte Sierra-Tugend der „tausend Tode“ zurück aber das gemütliche Rätseln in Szenen, die Spannung und Zeitdruck suggerieren sollen, wirkt einfach albern und überholt. Ich fände gelegentliches Scheitern mit Autosave-Funktion in solchen Gefahren-Situationen passender. Oder man muss die Rätsel passender designen.

Das Spiel nimmt Fahrt auf … um dann für ein Rätsel zu stoppen.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die Dialoge und die Synchronisierung. Hier ist gerade in der zweiten Hälfte ein übler Bruch zwischen Thema und Dialogen festzustellen. Während die Stimmen aus dem Off zur Beschreibung der Ereignisse und von Objekten noch gut und passend sind zum Ernst der Lage, fallen die Gespräche zwischen George und Nico durch übertrieben humorbetonte Stimmführung negativ auf. Da weder Alexander Schottky (Synchronsprecher von Georg) noch Petra Konradi (Nico) Amateure sind, gehe ich davon aus, dass sie im Studio die falschen Regieanweisungen bekommen haben. Auch die Dialoge mit NPCs schwanken in ihrer Qualität. Während die historischen Erklärungen interessant und spannend geschrieben sind, schaffen es George’s Kalauer in einigen Szenen, die Atmosphäre komplett zu zerstören. Die Gespräche mit dem Gegner waren zum Teil auf schlimmsten B-Movie-Niveau, die Gespräche mit alten Bekannten lang und wieder voll mit aufgesetztem Humor.

Ziegenrätsel dürfen in Baphomets Fluch nicht fehlen.

Gegen Ende hin kamen ein paar Ungereimtheiten in der Story und im Figurenverhalten hinzu, das nun nicht mehr immer nachzuvollziehen war. Warum lassen die Gegner, die bisher über Leichen gingen, George & Nico am Leben, wenn diese sich in den Weg stellen? Warum führt man mit der Tochter des Gnostikers eine vermeintlich wichtige Figur ein, um sie dann nur noch rumstehen zu lassen und sie gar nichts mehr zur Geschichte beitragen lässt? Warum sind die Handlanger der Gegner mal wieder so unglaublich dumm? Und das Ende? Seuftz … .

Das Finale wirkte dann wieder einmal gehetzt, als ob Zeit und Geld knapp wurden und sogar etwas … ja, etwas hingerotzt. Mit all dem üblichen, übersinnlichen, religiös überhöhten Brimborium, mit dem jeder Teil der Baphomets Fluch Reihe seit jeher endet. Tradition gepflegt.

Vorm mystischen Finale müssen die bösen Jungs vertrieben werden.

Die meisten der genannten Kritikpunkte sind bereits in Episode 1 zu finden. Und auch im allerersten Spiel. Und in den meisten anderen Point & Click Abenteuern. Es sind teilweise Probleme des Genres. Es sind teilweise Probleme, die dem Budget geschuldet sind. Es sind teilweise Probleme, die allgemein durch das Entwickeln einer Geschichte entstehen. Manchmal schafft es ein Spiel, darüber hinwegsehen zu können, sie unsichtbar zu machen. Manchmal nicht. Baphomets Fluch schafft es teilweise.

The Bottom Line

Nicht doch, George. Charles Cecil hat ordentlich abgeliefert.

Unterm Strich bleibt ein charmantes, klassisches Point & Click Adventure übrig, das in jeder Szene den Geist der 90iger Jahre atmet und die Fans der Serie begeistern wird. Charles Cecil hat geliefert. Ob es der beste Teil der Reihe ist, wie in der Kickstarter-Kampagne versprochen, darüber lässt sich streiten. Der Sündenfall knüpft stilistisch und spielerisch nahtlos an die ersten beiden Spiele der Serie an. Mit all ihren Stärken und Schwächen. Ich hatte viel Spaß dabei, George und Nico auf ihrem neuen Abenteuer zu begleiten.

Pro
 klassisches Point & Click Adventure der alten Schule
 im Stil der ersten beiden Teile der Spielreihe
das Wiedersehen von George und Nico und weiteren alten Bekannten
der Nostalgie-Bonus – man fühlt sich sofort daheim
das Paris-Flair
 tolle Hintergrundbilder, Karten und Schriftstücke
interessante Geschichte mit historischem Fundament, Hintergrundwissen und fiktiver Note
abwechslungsreich – wir lösen Kriminalfälle, dechiffrieren geheime Botschaften, durchsuchen Gruften und Klöster und decken eine Verschwörung auf
gute Rätsel verschiedener Arten und Schwierigkeitsgrade, nur wenige Ausreißer nach unten

Con
 ohne Nostalgie-Brille wirkt das Spiel leicht angestaubt und technisch überholt
nur wenige Hintergrundanimationen – die Szenen wirken manchmal leblos
z.T. schwache Dialoge mit aufgesetztem Humor und schlimmen Kalauern
schlechte Regie bei der Synchronisation der Dialoge
 Schwächen in der Dramaturgie und im Verhalten der Figuren
 am Ende etwas gehetzt, das Finale etwas zu übertrieben

Weitere Infos

Entwickler: Revolution Software
Originaltitel: Broken Sword: The Serpent’s Curse
Veröffentlicht am: 04.12.2013 (Episode 1)
Plattformen: Linux, Windows, Mac OS, iOS, Android, PS Vita, PlayStation 4, Xbox One
Spieldauer: ca. 12 Stunden

 


Nico muss ihre Verführungskünste anwenden. Die Rätsel sind abwechslungsreich und die Charaktere im Stil einer „graphic novel“ toll gezeichnet und beleuchtet.

Stimmungsvolle Hintergründe gibt es zur Genüge

Ein klassisches Verkleidungsrätsel ist auch dabei – man benötigt nicht einmal ein Katzenhaar.

In Spanien werden die Rätsel schwieriger.

Endlich wieder gemeinsam in einer Gruft gefangen.

Nicht jeder schafft es, die Rätsel zu lösen.

Einer der schwierigsten Rätsel-Broken. Hinweise zu einer alten Sprache.

Eine Botschaft in einer unbekannten Sprache muss entschlüsselt werden. Knifflig.

Ah … Paris.

2 Gedanken zu „Baphomets Fluch: Der Sündenfall

  • 29. April 2017 um 19:07
    Permalink

    Schönes Review. Mir hatte der neue Teil auch gut gefallen. Nur hab ich diese lange Pause nicht gemacht. 😉

    Antwort
    • 29. April 2017 um 20:46
      Permalink

      Ohne die Pause wäre ich auch weniger kritisch gewesen … 😉

      Antwort

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